Kirche

DIE ALLERHEILIGEN KIRCHE

Die Allerheiligen Kirche

Die ukrainisch-katholische Allerheiligen-Kirche zu Hamburg-Neugraben, Rehrstieg 97-99, ist eine vierpfeilerige Einkuppelkirche nach dem traditionellen byzantinischen Prinzip der Dreiteilung in Vorraum, Kirchenschiff und Altarbereich.

Architekt Karlheinz Bargholz ist es mit diesem Bauwerk gelungen, zwei Richtungen der sakralen Architektur zu verbinden: die traditionelle byzantinisch-ukrainische und die moderne westliche.

Der statisch-breiträumliche Zentralbau, dessen Mauern nur durch kleine Rundfenster durchbrochen werden, ist nicht auf die in vergangenen Jahrhunderten übliche Repräsentation angelegt. Über einem quadratischen Grundriss erhebt sich die moderne Kuppel, gekrönt durch eine Laterne mit dem zweiarmigen Patriarchalkreuz. Das Patriarchalkreuz erinnert an den ukrainischen Großerzbischof Joseph Kardinal Slipyj, der 1969 die ukrainische Gemeinde in Hamburg besuchte und damals den ersten Anstoß zur Errichtung dieser Kirche gegeben hat.

Der Mittelpunkt des Gotteshauses, gleich einem byzantinischen Altar quadratisch gestaltet, strebt mit der Kuppel dem Himmel entgegen, überragt vom Kreuz als Zeichen des Sieges Christi über den Tod.

Der segnende Christus mit dem Evangelium über dem Kirchenportal lädt alle die Wahrheit und Trost suchen in das Gotteshaus ein. Das farbenkräftige Mosaik verdanken wir der Benediktinerin Schwester Ehrentraud aus der Abtei Varensell in Westfalen.

Die Aufteilung des Innenraums ist durch die Ordnung der byzantinischen Liturgie bedingt. Dem quadratischen Zentralbau unter der Kuppel ist im Westen eine Eingangshalle (Narthex) vorgelagert, der Altarraum im Osten wird durch eine halbrunde Apsis vollendet. Der Altarbereich symbolisiert das Paradies, der Mittelteil der Erde, welche von der Kuppel mit der Darstellung des Himmels überwölbt und umfangen wird. Entsprechend der architektonischen Aufgliederung ist die Kirche nach einer bestimmten Ordnung reich mit Fresken und Ikonen ausgestattet. Hinter der bestechend schlichten Fassade erwartet den Besucher im Kircheninnern eine für Norddeutschland ungewöhnliche Fülle farbenfreudiger Malereien des jugoslawischen Mönches Pater Danilo Marunic. Ihm ist es meisterhaft gelungen, im traditionellen byzantinischen Stil das Heilsmysterium zu vergegenwärtigen. Die von W. Buschulte entworfenen Glasmalereien fügen sich harmonisch in die Ikonographie ein.

Den Mittelpunkt im Altarraum bildet ein Deckenfresko der Gottesgebärerin als ,Orans‘ mit ausgebreiteten Armen, den segnenden Christusknaben im Schoß. Hinter dem Altar in der Apsis ist die Kommunion der Apostel dargestellt. Die Wände des Kirchenschiffes schmücken Darstellungen aus dem Alten und Neuen Testament. Sie zeugen von der Vorsehung Gottes und deren Erfüllung in der Welt. Auf den Wänden, welche Diakonikon und Proskomedie abschirmen, sind zwei Episoden der Tradition des ukrainischen Christentums dargestellt: Apostel Andreas auf den Kiewer Bergen und die Taufe des ukrainischen Volkes unter dem Fürsten Vladimir d.Gr. im Jahre 988.

In der Schwerelosigkeit und Lichthaftigkeit der Kuppel mit ihrer zierlichen Laterne kommt die Darstellung der himmlischen Liturgie großartig zur Entfaltung. Christus als Pantokrator – Allherscher – und Weltenrichter ist umgeben von den Propheten, Engeln und den vier Evangelisten. Das Erscheinen Christi inmitten der Engel und Heiligen richtet die Gedanken und Gebete der Gläubigen auf das Wiederkommen des Herrn, verbunden mit dem letzten Gericht.

Beim Betreten der Kirche fällt als Besonderheit der byzantinischen Tradition die Ikonostasis ins Auge. Diese aus 24 Ikonen bestehende Bilderwand trennt das Hauptschiff vom Altarraum, in dem das Allerheiligste aufbewahrt wird. Drei Türen in der Ikonenwand gewähren dem Klerus Zutritt zum Altar, insbesondere zur Feier der heiligen Liturgie.

Die auf reichem Goldhintergrund gemalten Haupt- und Feiertagsikonen repräsentieren den Kosmos aus Himmel und Erde, der auf Christus ausgerichtet ist.

Die Kirche ist den Heiligen aller Zeiten gewidmet. Im Vorraum wird diese Intention besonders deutlich.

Neben den Aposteln Petrus und Paulus sind die bedeutenden Heiligen, Hierarchen, Theologen, Märtyrer und Asketen der Ost- und Westkirche gruppiert. Im Mittelpunkt einer eindrucksvollen Komposition ist unter dem Stadttor Hamburgs der heilige Ansgar als 1. Erzbischof der Hansestadt dargestellt.

Der Künstler möchte mit dieser Darstellung allen Gläubigen ins Gedächtnis rufen, dass wir im Norden dem Mönch aus der Picardie und seinen Mitarbeitern aus der flämischen Abtei Turholt die Botschaft Jesu zu verdanken haben. Papst Gregor IV beauftragte Ansgar mit der Missionierung aller Völker der Schweden oder Dänen und auch der Slawen. Hamburgs Kathedralkirche, von Ansgar dem Erlöser und der Gottesmutter geweiht, wurde im vergangenen Jahrhundert zerstört. Im Narthex ist der Dom des heiligen Ansgar dargestellt, um an eine Tradition zu erinnern, da noch Hamburger Christen sich um die Kanzel eines Bischofs versammelten, um von ihm das Wort Gottes zu hören. Dann gab es irgendwann vor Jahrhunderten einmal Zwietracht ….

Die neue ukrainisch-katholische Allerheiligen-Kirche möge mit Gottes Segen ein Ort werden, an dem Ost- und West-Kirchen sich zur Besinnung und zum gemeinsamen Gebet treffen können.

(- Dekan Johannes Leskowycz, Pfarrer – 1980, Jahr der Einweihung der Kirche)